Junge hält sich schützend die Hand vor sein Geschlecht

Genitalbeschneidung schädigt – auch Knaben

Ein bisschen alltäglicher gesunder Menschenverstand! Beschneidung ist keine Bagatelle!


  • Für das Lesen der folgenden Ausführungen braucht es der Sexualität gegenüber eine aufgeklärte Haltung.
  • Es ist möglich, dass sich beschnittene Männer durch die folgenden Ausführungen sehr betroffen fühlen.

Beeinträchtigt die Beschneidung das sexuelle Empfinden?

Die Innenseite der Vorhaut ist Teil der sexuell hoch empfindsamen Fläche des Gliedes. Alle sexuell aufgeklärten und erfahrenen Menschen wissen dies und alle Männer mit einem intakten Glied erfahren dies. Die Tatsache kann daher nicht erstaunen, dass die sexuelle Empfindung beschnitten wird, wenn ein grosser Teil der empfindsamen Fläche entfernt wird.


Wie stimuliert sich ein Mann sexuell?

Alle sexuell aufgeklärten und erfahrenen Menschen wissen, dass der Mann zur sexuellen Stimulierung die Vorhaut über die Eichel vor und zurück schiebt. Die sexuelle Stimulierung erfolgt durch das Zusammenspiel der Empfindungen aus Eichel und Vorhaut. Dazu kommt, dass die Eichel beim intakten Penis in der Regel nicht direkt berührt wird, sondern nur mit weichen Schleimhäuten in Kontakt kommt, das heisst mit der Innenseite der Vorhaut, der Vagina oder dem Mund. Alle anderen Berührungen der Eichel sind tendenziell unangenehm oder gar schmerzhaft. Die Möglichkeit der sexuellen Stimulation wird durch das Fehlen der Vorhaut daher ganz offensichtlich eingeschränkt und verändert. Wie soll sich ein Mann also sexuell stimulieren, wenn ihm die Vorhaut fehlt? Es erstaunt daher in diesem Zusammenhang nicht, dass die Motivation zur Beschneidung unter anderem aus einer prüden Sexualmoral hervorgeht, welche die Absicht hat, das Onanieren einzuschränken oder gar zu verunmöglichen.


Wahrnehmung einer Eichel mit Hornhaut?

Ist die Empfindung der feinen Eichelhaut im natürlichen Zustand, welche durch die Vorhaut geschützt und feucht gehalten wird, die gleiche, wie die Haut einer Eichel, welche durch die Beschneidung ungeschützt und trocken gelegt ist und dadurch mit einer Hornhaut überzogen ist?

Betrachten und vergleichen Sie die Bilder.

Verhornte Eichel ohne Vorhaut versus Eichel geschützt von intakter Vorhaut


Die Sinne des Menschen sind seine Tore zur Aussenwelt.

Wir haben fünf Sinne: Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Tasten. Wird mit einem dieser Sinne dermassen achtlos umgegangen, wie dies bei der Beschneidung mit dem sexuellen Tastsinn geschieht? Nein, ganz im Gegenteil! Generell werden Eingriffe nur wenn unbedingt notwendig und mit grösster Vorsicht und Zurückhaltung durchgeführt. Beeinträchtigungen der Empfindsamkeit eines Sinnes durch einen Eingriff werden wenn immer möglich vermeiden. Warum sollte diese Maxime nicht auch gerade beim physisch und psychisch so sehr empfindsamen Geschlechtsteil gelten? Eigenartigerweise gilt sie beim weiblichen Geschlechtsteil, beim männlichen jedoch nicht.

Ist es gerechtfertigt die Empfindsamkeit und Funktionsfähigkeit des Geschlechtsteils irgendeiner Überzeugung zu opfern? Nein, denn wer will schon, dass irgendeiner seiner Körpersinne und irgendwelche Körperfunktionen ohne gesundheitliche Notwendigkeit beschnitten werden? Niemand will das, ganz im Gegenteil! Wir setzen zu Recht alles daran, dass unser Körper möglichst gesund, intakt und unversehrt ist. Wir wollen, dass unsere Sinne möglichst empfindsam sind und es auch bleiben. Brillen, Hörschutz, Hörgeräte, Schnupfenbehandlung etc. zeigen dies eindrücklich. Das Bedürfnis und der Anspruch, die Körperfunktionen und die Empfindsamkeit der Sinne möglichst uneingeschränkt zu erhalten und zu geniessen, muss dementsprechend uneingeschränkt auch für den sexuellen Sinn gelten. Warum sollte das Sexualorgan des Mannes dahingehend eine Ausnahme darstellen?


Das Geschlecht von Mann und Frau sind gleich empfindlich.

Die Geschlechtsorgane von Mann und Frau sind bloss in der äusseren Erscheinungsform unterschiedlich. Die grundlegende Struktur und die Anlage der Geschlechtsteile sind beim Mann und bei der Frau jedoch die gleichen. Das wird Ihnen jeder ausgebildete Mediziner bestätigen. Männer sind an ihrem Geschlecht daher genau gleich empfindlich wie Frauen. In logischer Folge muss daher bei einem Eingriff beim Mann mit den gleichen physischen und psychischen Folgen gerechnet werden wie bei einer Frau. Werden bei Frauen ohne Grund (schützende) Elemente weggeschnitten? Nein, ganz im Gegenteil, dies ist sogar explizit verboten! Es gibt also keinen Grund warum dieses Verbot für das Geschlecht des Mannes nicht auch gelten sollte!


Medizinische Eingriffe normalerweise mit Zurückhaltung

Ist nicht die Voraussetzung bei allen normalen medizinischen Eingriffen, dass eine gesundheitliche Notwendigkeit gegeben sein muss? Müssen nicht die Vorteile und die gesundheitliche Notwendigkeit die in Kauf zu nehmenden Nachteile und Risiken aufwiegen? Wird nicht immer konservativ behandelt? Wird nicht in erster Linie diejenige Behandlung gewählt, bei der mit den geringsten Nebenwirkungen zu rechnen ist? Diese Grundsätze werden bei einer Beschneidung ohne medizinische Notwendigkeit sträflich missachtet!


Beschneidung als Prophylaxe? Eine völlig absurde Logik!

Wird Kindern, oder sonst irgendjemandem, vorsorglich der Blinddarm entfernt, um eine Blinddarmentzündung zu verhindern? Werden intakte Rachenmandeln rausgeschnitten, um einer Angina vorzubeugen? Werden gesunde Zähne gezogen, um vor Karies zu schützen? Wird überhaupt irgendetwas am Körper vorsorglich mit dem Argument der Prophylaxe weggeschnitten?[1] Nein, das wird aus einsichtigen Gründen nicht gemacht! Warum soll dies aber ausgerechnet bei dem physisch und psychisch so sehr empfindsamen und wichtigen männlichen Geschlechtsteil anders sein? Warum lässt man hier Argumente gelten, die überall sonst völlig unhaltbar sind?


Kastrationsängste!

Seit Sigmund Freud gehört es zum populären psychologischen Grundwissen und jeder Mann fühlt es eigentlich seit jeher intuitiv: Kastrationsängste gehören zu den stärksten Ängsten überhaupt. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass bei einer Beschneidung nicht genau diese Ängste geweckt werden!


Eingriff in die sexuelle Integrität

Da vergreift sich der “böse, pädophile Onkel” am “Schnäbbi[2]” des Knaben. Glücklicherweise ist es heute vielen Menschen klar, dass eine solche Verletzung der sexuellen Integrität den Knaben schädigt. Dieser Übergriff wird daher als Verbrechen verfolgt und geahndet. Welche verschrobene Weltsicht wird nun jedoch offensichtlich, wenn demgegenüber jemand dem Knaben ein entscheidendes Stück seines “Schnäbbis” wegschneidet, den Rest der empfindlichen Fläche für den Rest seines Lebens ungeschützt frei liegen lässt und dabei sagt, diese Tat sei “problemlos”?

Wenn ein Eingriff am Fuss stattfindet, stellt sich immer auch die Frage nach der Beweglichkeit. Wenn ein Eingriff am Magen stattfindet, stellt sich die Frage nach der Nahrungsaufnahme, und bei einem Eingriff am Auge, ist immer auch das Sehen betroffen. Bei einem Eingriff am Geschlecht ist daher zwangsläufig immer auch die sexuelle Integrität betroffen. Diese Tatsache wird bei der Knabenbeschneidung jedoch konsequent ausgeblendet. Wer sich mit Sexualstraftätern befasst hat, weiss, dass diese ihre Taten konsequent ausblenden, oft bagatellisieren und zu rechtfertigen versuchen. Auch bei der Knabenbeschneidung wird die Tat bagatellisiert und mit der Vorspiegelung falscher Tatsachen zu rechtfertigen versucht: “Ein kleiner Schnitt”, “ein überschüssiger Hautfetzen”, “zum Vorteil des Knaben”, etc. Von der Verletzung der sexuellen Integrität und deren physischen und psychischen Konsequenzen wird nicht gesprochen.


Beschnittene Männer sehen sexuell unscharf und sind sexuell farbenblind.

Viele Männer sagen, sie hätten mit dem Beschnitten-sein kein Problem. Das ist richtig. Die Einschränkung der sexuellen Empfindung, die durch die Beschneidung entsteht, kann mit unscharfem Sehen und Farbenblindheit verglichen werden. Die Aussage vieler Männer, sie hätten mit dem Beschnitten-sein kein Problem, wird dann verständlich, wenn man bedenkt, dass jemand, der im übertragenen Sinn keine sexuellen Farben sieht und die sexuelle Welt unscharf erkennt, seine Einschränkung selber nicht erkennen kann. Wie sollte er auch, er hat keinen direkten Vergleich. Alltägliche Erfahrungen zeigen uns, dass Lücken in der Wahrnehmung in der Regel vom Betroffenen selber nicht erkannt werden können. Erst der Vergleich mit dem Anderen, d.h. ein Referenzbezug zeigt die Lücke auf. In Volksgruppen, bei denen (nahezu) alle Männer beschnitten sind, wird dieser Umstand noch augenfälliger. Es wird niemand die sexuelle Wahrnehmungseinschränkung erkennen, da die gesunde und intakte Referenz fehlt. Wenn eine ganze Gesellschaft sexuell farbenblind ist, kann diese Blindheit nicht erkannt werden. Alle werden sagen, dass dieser Zustand normal sei, und dass sie von keinem Problem wüssten.


Beschneidungen haben weitreichende soziale Auswirkungen.

Wenn der Mann die Frau sexuell unscharf und farblos erkennt, muss dies zwangsläufig Auswirkungen auf die gelebte Sexualität und in der Folge auch auf die Partnerschaft haben. Wenn in einer Gesellschaft der grösste Teil der Männer sexuell handicapiert ist, müssen logischerweise auch gesamtgesellschaftliche Auswirkungen erwartet werden. In den USA, in Israel und in den muslimisch geprägten Ländern ist die Mehrheit der Männer beschnitten. Die Beschneidung scheint sich in Gesellschaften wie eine soziale Autoimmunerkrankung einzunisten. So können die vielen verschiedenen Berichte verstanden werden, die zeigen, dass in beschnittenen Gesellschaften oft sehr grosser sozialer Druck ausgeübt wird, damit möglichst alle Nachkommen auch wieder beschnitten werden.

In vielen Ländern wird die Beschneidung bei allen Neugeborenen, Kleinkindern und Knaben ohne Narkose und Schmerzmittel durchgeführt. Jeder einigermassen einfühlsame Mensch kann sich vorstellen, dass ein solcher Eingriff extrem starke Schmerzen und extrem grosse Ängste auslöst. Dementsprechend ist die Überzeugung, dass die Mädchenbeschneidung zu verbieten ist, auch in erster Linie nicht aus Forschungen sondern aus dem tiefen Mitgefühl für die betroffenen Mädchen hervorgegangen. Denn jeder Mensch weiss aus Erfahrung, dass schon weitaus geringere Eingriffe und Verletzungen zu bleibenden Traumata führen können, was von der medizinischen und psychologischen Forschung auch bestätigt ist. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass in Kulturen, in denen vorwiegend ohne Narkose beschnitten wird, viele Knaben und Männer mehr oder weniger traumatisiert sind. Es kann darüber nur spekuliert werden, in welcher Form sich dieses generelle und über viele Generationen weiter gegebene Trauma in einer Gesellschaft und Kultur manifestiert.


Beschneidung - Ein Ritual aus dem Altertum

Wer will schon, dass ihm ein körperliches Mal irgendeiner Überzeugung ungefragt auf den Körper “geschrieben” wird? Niemand will das! Was würden Sie sagen, wenn man Ihnen als Kind ungefragt das Symbol einer Überzeugung gross auf die Brust tätowiert hätte? Wobei festzuhalten ist, dass eine Tätowierung körperlich gesehen ein weit weniger krasser Körpereingriff darstellt und auch keine Einschränkung der sexuellen Empfindung nach sich zieht, was bei der irreversiblen Beschneidung jedoch der Fall ist. Hat nicht jeder Mensch das Recht selber zu entscheiden, welcher Überzeugung er angehören will, so er denn überhaupt einer Überzeugung angehören will? Hat nicht jeder Mensch das Recht selber zu entscheiden, ob er seine Zugehörigkeit zu einer Überzeugung durch das Abschneiden eines Körperteils kundtun will? Sagt uns nicht unser gesunder Menschenverstand, dass es nicht Recht sein kann, anderen Menschen und im speziellen Kindern Schmerzen und bleibende Benachteiligung zuzufügen?


Es ist höchste Zeit einen fatalen Irrtum zu überwinden!

  • Lange Zeit wurde behauptet, Kinder zu schlagen, würde nicht schaden, ganz im Gegenteil, das sei sogar notwendig und förderlich. Heute weiss man, dass die Betroffenen unter Umständen ihr ganzes Leben unter den Schlägen leiden. Daher ist das Schlagen von Kindern heute verboten.
  • Lange Zeit wurde behauptet, uneheliche Kinder seinen minderwertig und müssten zur Besserung fremdplatziert werden. Man hat die Kinder den Eltern teilweise mit Gewalt weggenommen. Heute weiss man, dass die Betroffenen unter Umständen ihr ganzes Leben unter der Fremdplatzierung leiden. Daher ist das Wegnehmen von Kindern heute verboten.
  • Lange Zeit wurden Kinder durch Arbeit ausgebeutet. Heute weiss man, dass Ausbeutung die Betroffenen benachteiligt und schädigt. Daher ist das Ausbeuten von Kindern heute verboten.
  • Lange wurde behauptet, Beschneidung sei eine Bagatelle und ein Vorteil. Heute weiss man, dass eine Beschneidung die Funktionsfähigkeit des männlichen Gliedes deutlich beeinträchtigt und physische und psychische Traumata verursachen kann. Daher wird die Beschneidung ohne unbedingte medizinische Notwendigkeit hoffentlich bald verboten!

Wir müssen lernen, dass Kinder nicht uns, sondern sich selber gehören.

Kinder sind durch die Menschenrechte ebenso geschützt wie alle Menschen, weil sie auch Menschen sind.

Kinder sind besonders verletzlich. Sie sind daher besonders zu schützen.


[1] Einzig bekannt: Vorsorgliche Brustamputation bei erblich hohem Krebsrisiko. Ist jedoch ein persönlicher Entscheid erwachsener Frauen. (Zurück zur Textstelle)

[2] “Schnäbbi” Schweizerdeutsch für Glied des Knaben. (Zurück zur Textstelle)